Der Fall Wulff – Eine Affäre in Zeiten der Digitalisierung

Politiker stolpern zumeist nicht über ihre Fehler oder Affären, sondern über den öffentlichen Umgang mit ihnen. Wie sehr diese Beobachtung stimmt, zeigt gerade die Immobilienfinanzierung unseres Bundespräsidenten. Nichts ist schlimmer für den Betroffenen als eine Affäre, die mit täglich neuen Fakten, Vorwürfen oder Reaktionen gefüttert wird.

Dazu kommt in Zeiten der Digitaliserung und der sozialen Netzwerke die virale Verbreitung von fast allem was mit der Affäre zu tun hat. Egal ob Tageszeitung, Heute Journal, tagesschau.de oder Zeitschrift, alle Produkte werden ins Netz verlängert und sind mit einem Klick bei Facebook gepostet oder sonstwie weitergegeben.

Im Freundes- und Bekanntenkreis weitergegeben werden dabei nach meiner Beobachtung nicht so sehr die Breaking News oder tiefschürfenden Analysen. Es sind eher die netten kleinen Schmankerln, mit denen man seinen Freunden eine Freude machen möchte. Social Media soll ja auch Spaß machen.

Wenn ich mir mal anschaue was mich in den vergangenen Wochen zum Fall erreicht hat: da war zum Beispiel die wirklich sehr gelungene Karikatur mit Wulff und der Weihnachtsgans, die aus eigener Erfahrung zu berichten weiss, dass meist schon viel gewonnen ist wenn die Feiertage erst mal vorbei sind. Die Karikatur habe ich weitergeleitet und – ich gebe es zu – ausgedruckt, um sie jedem Besucher an Weihnachten zu zeigen. Auch nicht schlecht die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten mit dem ungeheuer passenden Rilke-Zitat “Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr”.

Der gleich im neuen Jahr bekannt gewordene Anruf von Christian Wulff beim Bild-Chefredakteur zog auch viral ein nicht zu überhörendes Echo nach sich. Der Anrufbeantworter von Kai Dieckmann auf WDR5 wäre mir ohne Facebook entgangen, und das wäre wirklich schade gewesen:

WDR5 Politikum – Der AB von Diekmann by Malotki

Thematisch dazu passend erhielt ich noch einen Link auf “Wulff spricht 82 Mio. Deutschen auf die Mailbox” und den Stern-Fake der privaten Facebook-Seite von Christian Wilhelm Walter Wulff.

Zuletzt habe ich eine ähnliche Sammlung unterhaltender Politikverarbeitung kurz vor dem Rücktritt von Karl Theodor zu Guttenberg gepostet bekommen. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist…

Mein erster Mac

Endlich habe ich es getan! Seit Weihnachten ziert zum ersten mal ein Rechner von Apple meinen Schreibtisch. Ich finde, der putzig kleine Mac mini im edlen Alu-Finish macht sich dort richtig gut.

Mac mini

Mein erster Mac

Vor fast genau 25 Jahren war schon einmal ein Apple Macintosh Rechner in der engeren Auswahl. Damals stand die erste Anschaffung eines PC an und ich wollte einen mit einer grafischen Benutzeroberfläche haben. Die Preise für Apple-Rechner in Deutschland waren damals aber so was von überzogen, dass ich mich für einen Atari-Rechner entschieden habe. An dem hatte ich viel Freude bis im beruflichen Umfeld Microsoft DOS Kenntnisse zunehmend gefragt wurden und die Software-Vielfalt für den “IBM-kompatiblen” – wie es Anfang der 1990er Jahre hieß – die Anschaffung eines PC ratsam erscheinen ließ.

Für Besitzer eines PC mit einem Betriebssystem von Microsoft gab es seinerzeit zwei Handlungsoptionen: Entweder man vertiefte sich ins Thema und wurde zum Computerbastler, oder man musste sicherstellen zu allen Hard- und Softwarefragen jederzeit einen Bekannten ansprechen zu können. Ich entschied mich für die Bastlerkarriere, schließlich wollte ich nicht enden wie der Kollege, der eine 3 1/2 Zoll-Diskette  gewaltsam in ein 5 1/4 Laufwerk schob und sich so zum Gespött machte.

Irgendwie machte die PC-Bastelei ja auch Spaß. Die beim Start ausgeführten Dateien so zu konfigurieren, dass genug Hauptspeicher für das neueste Computerspiel übrig blieb, war eine herausfordernde Beschäftigung für lange kalte Winterabende. Und nachdem die ersten Steckkarten ausgewechselt und die ersten Speicherriegel verbaut waren, folgte der erste komplett selbst zusammengebaute PC fast zwangsläufig. Dass ein Windows-System aus Performancegründen einmal im Jahr neu aufgesetzt werden musste, das wurde hingenommen wie der fällige Ölwechsel beim Auto.

Aber wie es so ist. Mit zunehmendem Alter hat man es gerne etwas bequemer. Von Windows-Version zu Windows-Version wurde meine Windows-Aversion größer. Die innere Kündigung aus der Microsoft-Welt folgte dann bei einem Urlaub in den USA. In unserem Ferienhaus stand ein Kabelmodem an dem ein Ethernetkabel hing. Mein Sohn schloss sein Macbook an und hatte sofort Internetzugang. Ich dagegen konfigurierte mir an meinem Netbook einen Urlaub lang einen Wolf und brachte es trotzdem nicht ins Netz. Da wusste ich, es wird Zeit für einen Mac. Das hat dann zwar noch etwas gedauert, aber jetzt steht er auf meinem Schreibtisch, funktioniert auf Anhieb und das unfassbar leise. Schön, dass ich es endlich getan habe.

Spanien im “El Gordo” Fieber – Und ich war dabei

Kurz vor Weihnachten bricht in Spanien regelmäßig das “El Gordo”-Fieber aus. “El Gordo” bedeutet “Der Dicke”. Gemeint ist damit der Hauptgewinn der spanischen Weihnachtslotterie Loteria de Navidad. Das ist eine sehr traditionsreiche Veranstaltung, die seit 1812 im selben Modus ausgespielt wird. So alt wie die Lotterie scheint auch die Zeremonie der Gewinnermittlung zu sein. Dabei ziehen Jungs in unbequemen Anzügen und Mädchen in grauen Faltenröcken Holzkugeln mit Nummern drauf und verkünden singend welche Nummer nun gezogen wurde. Das ganze drei Stunden lang live im Fernsehen.

Bei der Loteria de Navidad werden aus 100 000 Losnummern 15 000 Gewinne gezogen. Damit wenigstens in Spanien jeder der ein Los haben will auch eines bekommt werden die 200 Euro teuren Lose in der Regel in Zehntel-Stückelungen und mehreren Serien verkauft. Insgesamt werden bei der spanischen Weihnachtslotterie 2,5 Milliarden Euro verlost, es ist damit die größte Lotterie der Welt. Wer “El Gordo” gezogen hat bekommt für sein Zehntel-Los 400 000 Euro. Weil die Lose einer Nummer hintereinander weg in einem Laden verkauft werden häufen sich bei der Loteria de Navidad die Gewinne meist in einer Stadt oder einem Dorf. In diesem Jahr hat “El Gordo” ein Dorf in der nordspanischen Provinz Huesca beglückt. Dort wurden Lose verkauft, die insgesamt 720 Millionen Euro Gewinn einbrachten.

Dank meines Internet-Lottoportals darf ich seit einigen Jahren auch als Nicht-Spanier ein  Zehntellos der Loteria de Navidad erwerben. Damit tue ich zwar etwas was in Deutschland eigentlich verboten ist. Meiner Vorfreude auf “El Gordo” und die singenden Mädchen in Faltenröcken tut das aber keinen Abbruch. Gewonnen habe ich bei der Weihnachtslotterie noch nie etwas, aber irgendwann kommt der Dicke bestimmt auch mal zu mir….

Wie sage ich es meinem Hund…

Das Social Media Blog Mashable hat die meistgesehenen Videos des Jahres 2011 zusammengestellt. Die Top 10 Liste beweist wieder einmal: Quote ist nicht alles. Ein Videoclip ist allerdings der absolute Hammer. Der sprechende Hund auf Platz 2. Der hat sich jeden seiner aktuell 74 Millionen Clicks redlich verdient. Und das beste, er ist nicht das einzige “Talking Animal” bei Youtube.

Wein und Social Media mit Gary Vaynerchuk

Es gibt Stunden, die vergehen wie im Flug. Gerade hatte ich so eine. Auf Youtube habe ich mir einen gut einstündigen Vortrag von Gary Vaynerchuk angesehen, gehalten im September vor Unternehmern beim Inc.500|5000-Kongress des US-Wirtschaftsmagazins Inc.com.

Vaynerchuk ist ein im Wortsinne hemdsärmliger Typ Mitte 30. Als Kind mit seinen Eltern aus Weißrussland in die USA eingewandert, hat er es in den vergangenen Jahren geschafft aus der kleinen Weinhandlung seines Vaters einen Laden mit 50 Millionen Dollar Jahresumsatz zu machen. Geschafft hat Gary das Dank eines Videoblogs und dem konsequenten Einsatz von Social Media Marketing, der im zum Beispiel 900.000 Follower auf Twitter eingebracht hat. In den USA hat er es zu einiger Bekanntheit gebracht. Inzwischen vermarktet er nicht mehr nur Wein, sondern auch sein praktisches Wissen über E-Commerce und Social Media. Er hat einige Rat gebende Bücher zum Thema veröffentlicht (Deutscher Titel: “Hau rein und werde Unternehmer”), tritt regelmäßig in Talkshows auf und hält Vorträge.

Vom Auftreten her erinnert Gary Vaynerchuk weniger an einen Wein- als an einen Teppichhändler, aber wahrscheinlich macht genau das seine Keynote bei der Inc.500 | 5000 so kurzweilig. So charismatisch und unterhaltsam wie Vaynerchuk hat mir auf jeden Fall noch keiner erklärt wie und warum soziale Netzwerke funktionieren.

Die viralen Werbespots des Jahres

Der kleine Darth Vader aus dem VW-Werbespot hat es geschafft. Sein 30-Sekunden-Auftritt ist in die Top 10 der innovativsten viralen Werbespots des Jahres 2011 gekommen. Ausgewählt wurden die zur Weiterverbreitung verführenden Filmchen vom professionellen Youtube-Fütterer Feedcompany (Claim: “We feed the monster!”). Anschauen kann man sich die Top 10 bei Mashable.

Mashup – oder die Kunst des Klauens

Mashups, also das Verbinden bereits bestehender Inhalte zu etwas Neuem, werden recht unterschiedlich betrachtet. Für die einen sind sie die Kunstform des digitalen Zeitalters, für andere schlichte Urheberrechtsverletzungen. Für alle Anhänger des erstgenannten Lagers hat Mashup-Germany jetzt ein verbreitenswertes Beweisstück abgeliefert. In 4.08 Minuten haben DJ Ben Stiller und Videoeditor Panos T. 29 Hits des Jahres 2011 zu einem hörens- und sehenswerten Remix verarbeitet. Musik und Videos mögen dabei geklaut sein – das Ergebnis ist auf jeden Fall große Kunst.





Mashup-Germany – Top of the Pops 2011 (What The Fuck) by MashupGermany

Schon wieder Weihnachten

Spätestens ab dem heutigen Nikolaustag heisst es an Weihnachten denken und wieder einmal Geschenkideen kreieren für Menschen die eigentlich schon alles haben. Die Bloggerkollegen von Webkrauts, die sich ansonsten der Verbesserung der technischen Qualität im Web verschrieben haben, warten dazu mit einer bemerkenswerten vorweihnachtlichen Handreichung auf. Vom Holznotebook mit Schieferdisplay über den plüschigen Fußwärmer mit USB-Anschluss bis zur mit Nullen und Einsen dekorierten digitalen Fußmatte hat Webkrauts originelle Geschenkideen für Menschen mit Humor und Interesse für technische Innovationen zusammengetragen. Meine Lieblinge: das Vesperbrettle “myBrett” mit vorinstallierten Frühstücksapps und die Retro-Sprechstelle für das iPhone in hochglanz-schwarz.

Iphone für retro-Freunde

Quelle: broodr.com

 

Personalausweis 2.0

Viel Gutes habe ich über den neuen Personalausweis noch nicht gelesen. Seit ich ihn und seinen großen Bruder, den Reisepass, jetzt beantragt habe, weiss ich – es ist noch viel schlimmer.

Das fängt schon bei den Wartezeiten auf dem Rathaus meiner kleinen überschaubaren Heimatgemeinde an. Die gab es nämlich bisher nicht. Jetzt schon. Obwohl die Schlange vor mir und meiner Frau nur aus einem einzigen Mitbürger besteht, dauert es fast eine halbe Stunde bis wir dran sind. Kurz darauf weiss ich warum. Einfach beantragen ist nämlich nicht beim neuen Personalausweis, die nette Rathausmitarbeiterin ist angehalten zunächst zu informieren und zu beraten. Mit Fingerabdruck oder ohne, Online-Ausweisfunktion ja oder nein, gleich oder gern auch später bei der Abholung, sechsstellige PIN auf alle Fälle, im Rathaus auf Wunsch änderbar.

Die mitgebrachten biometrischen Passbilder werden sauber auf einen zu unterschreibenden Papierbogen aufgeklebt, eingescannt und über eine verschlüsselte Extra-Leitung zur Bundesdruckerei nach Berlin überspielt. Bei mir will die Leitung nicht so recht, die Übertragung hängt. Der telefonisch kontaktierte EdV-Support meint, es könnte am schief aufgeklebten Passbild liegen. Also noch mal kleben und unterschreiben. Aber auch der nächste Versuch der Datenübertragung schlägt fehl. Das komme leider regelmäßig vor, weiss die Sachbearbeiterin zu berichten. 20 Minuten und zwei Supportanrufe später sind dann nach einmal Scanner ausstecken und einmal PC neu starten zwei Personalausweise und Reisepässe (da ist der Fingerabdruck Pflicht!) beantragt.

Das beste dann wie immer zum Schluss – die Rechnung! 59 Euro für den Pass, 29,80 Euro für den Personalausweis – das war ein teurer Vormittag. Die in Berlin nehmen es halt von den Lebendigen…

Und jetzt alle – Google öffnet plus

Die Betatest-Phase des sozialen Netzwerks Google+ scheint vorbei zu sein. Alle Inhaber eines Google-Accounts dürfen seit heute bei plus mitmachen. Nachdem ich mehrfach vergeblich versucht hatte während des Betatests eine Einladung zu Google+ zu bekommen, darf ich mir nun selbst ein Bild von dem viel beschriebenen Dienst machen.

Der Suchmaschinen-Gigant öffnet Google+ in einer Phase in der die Kritik an dem ambitionierten Projekt immer lauter wird. Nachdem plus über Monate in Blogs und Branchendiensten als seriöse und mehr Datenschutz versprechende Alternative zu Facebook über alle Maßen gelobt wurde, mährt der Nerd gerade eher rum an Google+.

Der Zwang zur Verwendung des wirklichen Namens wird ebenso kritisiert wie der  hohe Anteil inaktiver plus-User und das Fehlen von Alleinstellungsmerkmalen. Gern verweist der Blogger auch darauf, dass Google vor zwei Jahren mit seinem Dienst Wave schon einmal ein zunächst hoch gelobtes Produkt nicht habe am Markt etablieren können.

Hosianna und “kreuzigtet ihn” liegen auch im Internetzeitalter nah beieinander. Ich bin gespannt wie sich plus entwickelt und ob es eine Alternative zu Facebook werden kann. Nötig wär’s.