Bye, bye good old Ebay

Nach längerer Abstinenz versuche ich seit ein paar Wochen ein paar ältere gebrauchte Dinge käuflich bei Ebay zu erwerben. Bisher blieb es beim Versuch, die Angebote für bestimmte Musikinstrumente oder Objektive für meine digitale Spiegelreflexkamera sind dünn gesät. Die Suchaufträge die ich in alter Gewohnheit bei Ebay platziert habe weisen in aller Regel nur Angebote von Händlern zu meist überteuerten Festpreisen aus. Private Verkäufer sind ganz offenbar auf der Ebay-Plattform auf dem Rückzug. Schnäppchen gibt es damit nicht mehr.

Mit dem Durchstöbern von Kategorien und Unterkategrorien bin ich meist sehr schnell fertig. Das Angebot ist abseits des Mainstreams sehr übersichtlich geworden. Für mich hat Ebay damit seinen Reiz verloren auch abseitige, seltene Dinge mit ein wenig Geduld kaufen zu können.

Ebay selbst verweist darauf, dass die Zahl der Nutzer und der angebotenen Artikel auch 2011 weiter gestiegen ist. Ein Versandhändler der 50 mal den gleichen Artikel anbietet, sorgt aber nicht für die Vielfalt die 50 Privatanbieter mit je einem Artikel erzeugen. 59 Prozent der Waren auf Ebay werden inzwischen von gewerblichen Händlern eingestellt. Eine Entwicklung die von Ebay ausdrücklich begrüßt wird.

Wenn sich da mal nicht einer der Großen im Netz den Ast absägt auf dem er bisher bequem gesessen ist.

Neulich im Apple-Store

Menschen schauen ziemlich seltsam aus wenn sie einen Computerbildschirm betrachten. Das ist das Ergebnis eines Experiments des Künstlers Kyle MacDonald. Wie Mashable berichtet, installierte MacDonald auf Macbooks  in einem New Yorker Apple Store eine Software, die jede Minute ein Foto der Bildschirm-Cam auf seinen Server hochlud. MacDonald hat ein eindrucksvolles Video von seltsam schauenden Computerbetrachtern auf Vimeo veröffentlicht. Vermutlich schaut der Künstler im Moment aber selbst etas seltsam. Der Secret Service soll seine Rechner beschlagnahmt haben…

Autoverkauf in Zeiten des Internet

Auto verkaufen ist bei mir negativ besetzt. Da kommen vergangene Erinnerungen hoch von nutzlos verbrachten Samstagen auf einem Gebrauchtwagenmarkt  im Autokino. Oder an Kleinanzeigen in Annoncenblättern, die zu nächtlichen Anrufen führten, die eigentlich immer mit der Frage nach zusätzlichen Extras oder dem “letzten Preis” begannen.

Vergangenen Sonntag hatte ich ein Deja-Vu. Ich stellte mein altersbedingt auszumusterndes Fahrzeug in eine einschlägige Internetplattform ein. Am Nachmittag hatte ich schöne Fotos gemacht. Am Abend stellte ich sie zusammen mit einem wohlüberlegten Text, in dem ich alle Schäden und Mängel akribisch genau aufführte, ins Netz. Wie im Gebrauchtwagenhandel üblich gab ich eine Mobilfunknummer mit an.

Was soll ich sagen: ich war noch nicht von der Seite des Auto-Marktplatzes runter, brachte mir meine Frau schon das Handy ins Arbeitszimmer. Es war ein Anrufer aus Berlin, der wissen wollte ob es denn noch weitere Extras gebe und wie hoch denn mein “letzter Preis” sei. Wir redeten ein wenig über mein Auto und seine Preisvorstellungen und einigten uns schließlich.

Während unseres Telefonats lief die Anklopffunktion meines Telefons heiss. Mehr als zwei Dutzend Rückrufwünsche hatte ich nach meinem Verkaufsgespräch auf der Liste und in der Mailbox, Sonntag um 22.30 Uhr. Mein Käufer hatte ganz offensichtlich kein Interesse an einem zügigen Gesprächsende. Er schickte mir noch während des Telefonats eine Mail mit den verabredeten Bedingungen, ich bestätigte. Dazu sollte ich gleich meine Anzeige wieder offline nehmen. Er habe schon einen Käufer im Auge und der müsse ja nicht alle Schäden kennen…

Und er hatte noch weitere Verhaltensregeln für mich. Ich sollte doch bitte keinem anderen Anrufer sagen wohin ich das Auto verkauft habe und zu welchem Preis. Für weitere Kontakte und die einige Tage später erfolgende Übergabe des Fahrzeugs bestand er zudem auf ein gemeinsam festgelegtes Kennwort, damit sich niemand zu Unrecht als Käufer ausgeben könne. Das Internet, so befand er, sei ein schmutziges Geschäft in dem mit allen Tricks gearbeitet werde.

Wie gut er mit seiner Einschätzung lag erfuhr ich schnell. Drei mal bin ich an dem Abend noch ans Telefon gegangen, dann habe ich es abgeschaltet. Denn immer wollten die Anrufer wissen wohin und zu welchem Preis ich verkauft habe. Und immer hätten sie mehr bezahlt und alle wussten im übrigen genau, dass der Käufer aus Berlin mein Auto nie abholen würde.

Er hat es geholt, nicht ohne noch mal nache dem “letzten Preis” zu fragen. So wie früher im Autokino…

Australische Stiefel made in China

Auch nach Weihnachten bringt der Paketbote noch schöne Geschenke. In meinem Fall ein paar warme Winterstiefel einer hochpreisigen australischen Marke. Die hatte ich im Dezember vermeintlich in Downunder bestellt, um bald darauf zu merken, dass ich offenbar auf eine chinesische Fakeseite hereingefallen war.

Die in Shanghai sitzenden Betreiber der Fakeseite wollten aber wirklich liefern und bedienten sich dabei der Dienste der deutschen Gesellschaft für Schnellkuriere. Mit dieser Gesellschaft hatte ich eine paar mal hin und her gehende Korrespondenz, die mit der Überweisung von 40 Euro für Versand und Einfuhrumsatzsteuer ihren Abschluss fand.

Dann machten die Schnellkuriere ihrem Namen alle Ehre und ich hielt bald darauf ein paar warme Winterstiefel aus Schaf-Fell in Händen, das genau so aussah wie die bestellten. Von wegen Fake. Das waren original verpackte und qualitativ gut gefertigte Stiefel, korrekt gekennzeichnet als “Made in China”.

Meine danach in mehreren Schuhgeschäften erfolgten verdeckten Recherchen ergaben, dass ich nicht der einzige Käufer australischer Schuhe aus chinesischer Produktion bin. Die sündhaft teure angebliche Krone von australischer Schafzucht und Schuhmacherhandwerk kommt in Wahrheit aus einem Billiglohnland.

Was wieder einmal zeigt, dass der im Einzelhandel aufgerufene Warenpreis nur bedingt etwas mit den tatsächlichen Herstellungskosten zu tun hat. Da bleibt ein schales Gefühl, auch wenn man wie ich, durch mein kleines Abenteuer im Internet letztendlich nicht einmal die Hälfte des in Deutschland üblichen Einzelhandelspreises bezahlt habe.

Australische Stiefel

Das Internet ist auch nicht mehr das was es einmal war. Vor etwa zehn Tagen habe ich in einem Onlineshop ein paar Winterstiefel für meine Tochter bestellt. Es gibt da eine australische Marke auf die viele Mädels stehen, die in Deutschland aber sündhaft teuer ist. Bei solchen Importwaren habe ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht im Herkunftsland zu bestellen, und mir die Ware dann schicken zu lassen. Trotz hoher Transportkosten, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer ließen sich da regelmäßig ansehnliche Einsparungen realisieren.

Für den Kauf der im kalten Deutschland dringend benötigten Lammfellstiefel hatte ich schnell einen viel versprechenden Shop gefunden. Er machte einen sehr professionellen Eindruck, versprach weltweiten Versand zu angemessenen Bedingungen und war unter einer .com Domain, die den Namen des Herstellers enthielt, zu erreichen. Die Preise waren günstiger als in Deutschland, aber nicht so günstig als dass man hätte misstrauisch werden müssen.

Im sicheren Gefühl wieder einmal von den Möglichkeiten des weltweiten E-Commerce profitiert zu haben, wartete ich geduldig. So ein Versand aus Übersee dauert ja schon mal etwas länger. Heute nun bekam ich Post von der mir bisher unbekannten “Gesellschaft der Schnellkuriere”. Die teilte mir mit, dass sie in Osnabrück ein Paket aus China für mich auf Lager habe und noch ein paar Angaben für die Zollabwicklung benötige. Auch mein Kreditkartenkonto weist eine Belastung durch einen chinesischen Onlineshop auf. Sein Angebot entspricht in etwa der Auslage eines typischen Export-Import-Ladens in schlechter Cityrandlage einer deutschen Großstadt. Nie und nimmer würde ich hier etwas bestellen!

Eine whois-Abfrage über die Domain mit dem Markennamen bei der ich bestellt habe ergab: Ich bin auf ein gut gemachtes Fake hereingefallen. Der australisch wirkende Shop und seine Eigentümer sitzen in China.

Da bin ich doch mal auf die nun anstehende Zollabwicklung gespannt und darauf, ob meine Tochter diese Stiefel je tragen wird. Die Fortsetzung dieser Geschichte trägt sicher einen weiteren Post.

Wetab oder die Kunst ein Produkt zu versenken

Apples Ankündigung eines neuartigen Gerätes namens IPad rief viele Nachahmer auf den Plan. Eines der ersten Konkurrenzprodukte zum IPad kam aus Deutschland. Ein mittelständisches Firmenkonsortium fühlte sich berufen mit seinem Wepad gegen das IPad anzustinken. Die Ideen klangen gut. Was bei Apples Pad kritisiert wurde, die fehlenden Schnittstellen zum Beispiel, wollten die Wepad-Entwickler besser machen.

Das Projekt gefiel, das Wepad-Konsortium ließ auf seiner Website und in einer Facebook-Gruppe schnell tausende von Interessierten Teil haben an der Weiterentwicklung eines schon fast marktreif aussehenden Prototypen, der in Youtube-Clips zu sehen war.

Wenige Wochen nach der Produktankündigung sollte der Wepad-Prototyp öffentlich vorgestellt werden. 300 Journalisten warteten in einem viel zu kleinen Saal gespannt auf die Präsentation. Sie wurden Zeugen eines peinlichen Flops. Das Pad ließ sich nicht bedienen, auf dem Bildschirm lief lediglich ein Dauervideo das zeigte wie das Ding einmal funktionieren könnte.

Für die Entwickler gab es Hohn und Spott. “Fehlende Erfahrung” war noch eine der wohlmeinenderen Erklärungen für diesen grandiosen Fehlstart. Im Mai dann hieß Raider auf einmal Twix, aus dem Wepad wurde das Wetab. Über die Gründe für die Umbenennung erfuhr die Öffentlichkeit nichts.

Für den Sommer wurde dann die Auslieferung der ersten Wetabs angekündigt. Mit Amazon präsentierte man einen Vertrauen erweckenden Partner, bei dem man das gute Stück vorbestellen durfte. Bis die Geräte dann wirklich ausgeliefert werden konnten, war es Ende September.

So richtig zufrieden scheinen die ersten Besitzer des Wetab nicht zu sein, das legen auf jeden Fall die Kommentare bei Amazon und die Postings in der Facebook-Gruppe nahe. Als ob solch ein wenig begeisternder Produktstart nicht schon schlimm genug wäre, steht nun auch noch Geschäftsführer Helmut Hoffer von Ankershoffen unter Beschuss. Er gab auf Facebook heute zu, zwei Kundenrezensionen unter falschem Namen abgegeben zu haben. Konsequenz: Er lässt seinen Posten erstmal ruhen.

Das ist natürlich ein Super-GAU, was für Marketing-Lehrbücher die darstellen wie man es auf keinen Fall machen darf und vermutlich der Anfang vom Ende einer gut klingenden Idee. Schade eigentlich.

Ganz nackt

Ein Auslandsflug über den Amsterdamer Flughafen bescherte mir meine ersten praktischen Erfahrungen mit einem der viel diskutierten Nacktscanner. Bei der Sicherheitskontrolle im Einstiegssgate wird der Scanner eingesetzt. Er sieht aus wie eine überdimensionierte nach zwei Seiten offene gläserne Telefonzelle. Der Fluggast tritt ein, wird angewiesen sich breitbeinig hinzustellen und die Arme nach oben zu strecken. Dann rotieren zwei raumhohe Sonden um die Zelle, und der Fluggast darf den Körperscanner durch die zweite Öffnung wieder verlassen.

Wie es der Zufall wollte hatte ich auf dem Flug nach Amsterdam in der aktuellen ct einen Bericht über die verschiedenen Feldversuche mit diesen Scannern gelesen. “Freiwillige”, so hieß es dort, könnten in Amsterdam den Nackscanner nutzen. Von Freiwilligkeit konnte zumindest bei meinem Flug allerdings keine Rede sein. Das Personal winkte einen nach dem anderen durch.

So richtig zu trauen schienen die Kontrolleure dem Scanner noch nicht. Nach dem Scan gab es noch einen ausführlichen Check durch abtasten. Ganz nackt war da nicht genug…

Für alle Mamas bei facebook…

…hat die Comedy-Truppe Backoftheclass aus L.A. eine wunderschöne Metal-Ballade geschrieben, die auf Youtube als Video zu sehen ist:

Backoftheclass haben noch mehr wirklich witzige Videos auf der Pfanne. Der Besuch lohnt sich. Und wer noch mehr Songs über den Menschen und seinen Umgang mit Social media sehen will, wird bei Mashable fündig.

Der zweite Versuch

Die Deutsche Post wird derzeit heftig für ihren E-Mail-Dienst epost.de. Über die Post versandte Mails sollen laut Werbung “verbindlich, vertraulich, verlässlich” sein. Mit ähnlichen Argumenten versuchte die Post vor zehn Jahren schon einmal einen E-Mail-Dienst namens epost zu etablieren. Damals versprach die Werbung eine “E-Mail-Adresse für das ganze Leben”.

Dummerweise genügte den meisten Kunden, wie auch mir, damals die Freemail-Variante von epost.de. Die Bezahlvarianten mit mehr Speicherplatz verkauften sich offenbar nicht so gut wie die Post erwartet. “Lebenslang” war nach gut vier Jahren schon vorbei. Als lebensverlängernde Maßnahme verschob die Post die Freemail-Accounts an lycos.de, ein Dienst der 2005 auch schon seinem Ende entgegendämmerte. Seitdem habe ich eine Ahnung davon was die Deutsche Post unter Verlässichkeit versteht.

Zu wenig zahlende Kunden, dieses Risiko will die Post beim zweiten epost-Versuch offenbar vermeiden. Deshalb soll jede versendete Mail 55 Eurocent kosten. So wie bei einem richtigen Brief: der kostet auch 55 Cent und der Absender zahlt. Für 55 Cent druckt die Post auf Wunsch übrigens die E-Mail auch aus und der Briefträger stellt sie zu. Sicher eine clevere Idee auf die die Welt gewartet hat.

Ich will nicht ausfällig werden. Aber bei 55 Cent pro E-Mail frage ich mich schon was die bei der Post rauchen? Bei mir bekommt epost auf jeden Fall keinen zweiten Versuch.

Chaos in Therorie und Praxis

“Kann der Schlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen”, fragte einst der amerikanische Metereologe Edward Lorenz. Der Entdecker der Chaostheorie versinnbildlichte mit dem  Schmetterlingseffekt, dass in komplexen Systemen schon winzige Abweichungen zu nicht vorhersehbaren Veränderungen führen können.

Einen solchen Effekt erlebt im Moment die Deutsche Bahn. Ausgelöst hat ihn kein Schmetterling, sondern eine defekte Klimaanlage in einem überfüllten ICE. Neun kollabierte Schulkinder zur besten Sendezeit im  Fernsehen, machten aus einer Panne, die jeder regelmäßige Bahnfahrer kennt, den Beginn einer chaotischen Entwicklung.

Denn an jedem Tag den es der Herrgott werden lässt fällt in einem Zug die Klimaanlage aus. Heute morgen zum Beispiel in dem ICE der mich nach Mannheim bringen sollte. Solange  die Temperaturen über 35 Grad klettern stoßen die schweissnassen Erlebnisse betroffener Fahrgäste weiter auf großes Medieninteresse. Und weil das Thema “die Bahn und ihre Klimaanlagen” gerade Konjunktur hat, können sich nun sogar die vielen Bahnfahrer im Nahverkehr Gehör verschaffen, deren Züge gar keine Klimaanlage haben, die ausfallen könnte.

Da kann sich das Bahnpersonal vom Vorstand an abwärts entschuldigen so lange es will. Die Bahn hat ein ernsthaftes Problem. Mal sehen wie sie da rauskommt.